„Eigentlich bin ich ganz anders", heißt es in Ödön von Horvaths Komödie „Zur schönen Aussicht". „Aber ich komme so selten dazu". Ganz anders zu sein heißt für uns im Allgemeinen, ganz „ich selbst" zu sein. Das „Ich" ist immer Schein, sobald es Zentrum der Betrachtung wird. Jonathan Meese ist der Superstar der deutschen Kunstszene, seine Werke sind symptomatisch für eine Kunst, die das Ich zu ihrem Epizentrum macht.
Die Kunstkritiker wehren sich, seine Kunst anzunehmen. Sie tun die kindlichen Schmierereien, die schrottigen Bühnenbilder und die spielerischen Performances als Dilettantismus und Stümperei ab. Ist der Mann also ein Spinner, weil er vorgibt, am Umsturz der Dinge zu arbeiten?
Schein und Wahrheit - mit diesen Begriffen operiert auch Friedrich Nietzsche. Die Welt ist wahr, wenn wir sie als Schein begreifen. Sobald wir den Schein abschaffen, schaffen wir die Welt ab. Was macht also das Ich aus der Kunst bei Jonathan Meese? Das fragte die Kulturjournalistin Karolina Wrobel den Künstler more

















