preview berlin - the emerging art fair
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PREVIEW BERLIN - The Emerging Art Fair

Im Interview der Künstler Moritz Schleime bei der WENDT + FRIEDMANN GALERIE

im interview der kuenstler moritz schleime bei der wendt + friedmann galerie
Moritz Schleime 'Yuppie Du', 2008, Oel u. Sticker a. Lw., 160 x 110 cm / courtesy WENDT+FRIEDMANN GALERIE

Die vom 30. Oktober bis zum 2. November 2008 stattfindende PREVIEW BERLIN ist die Berliner Messeplattform für eine junge Generation von nationalen und internationalen Galerien und Projekträumen. Mit dabei ist die WENDT+FRIEDMANN GALERIE, die neben Christian Achenbach, der zeitgleich in der Galerie mit der Ausstellung New Works zu sehen ist, den Künstler Moritz Schleime zeigt. Schleime feierte im Frühjahr mit der Ausstellung Asso-Rock bei WENDT+FRIEDMANN GALERIE einen großen Erfolg. Nun zeigt die Galerie auf der Messe ganz neue Werke des Künstlers. Aus diesem Anlass führte Felix Beck für creative face magazin ein Interview mit dem Künstler Moritz Schleime:

 

Felix Beck: Herr Schleime, sitzen jetzt, nach dem Bankencrash die Künstler auf der Strasse und tünchen Grafittis über, wie in einem Ihrer neuen Bilder?

 

Moritz Schleime: In dem Bild sitzt doch hoffentlich einer dieser gierigen Manager und ich hoffe nicht, dass er ein Graffiti übermalt, sondern selbst gestaltete Papiergeldnoten anklebt...

Was momentan passiert ist schlimm genug, da macht es eigentlich keinen Spaß mehr zu scherzen. Die Regierungen wollen jetzt was retten, was nicht mehr zu retten ist,  denn solange diese Zockermentalität weiter gefördert wird, wird die wirkliche Kiese nur vertagt und verstärkt. Das war jetzt ein Warnschuss, aber man hätte ein paar Banken mit allen Konsequenzen pleite gehen lassen müssen. Gesellschaftliche Selbstreinigung nennt man das. Aber so, mit diesem tollen Rettungsplan, wirst du diese Geld-Menschen nicht verändern. Die Cracks an den Banken erfinden ganz neue Werkzeuge um weiter zu zocken, das ist wie beim Doping, und keiner wird es erstmal mitbekommen. Solange Geld über der Moral stehen bleibt, werden wir wohl bald baden gehen...Also schon mal schwimmen lernen!

 

FB: Sehen Sie eine neue Chance für die Kunst in der Krise?

 

MS: In der Kunstwelt finden zur Zeit, wie Markus Lüpertz vor kurzem sagte, "tiefste Friedensspiele" statt - eine Kuh wird aus einem Helikopter geworfen, viele tausend Euros in Zerkleinerungsmaschinen geworfen ein Entertainment mit Fingerzeig - Deluxe. Und zum Schluss vögeln wir mit Videoprojektionen. Aber selbst wenn diese Reizüberflutung so weiter gehen würde, wird es immer die Kunst geben die nur das Blut und den Dreck braucht, die nur aus minimaler Veränderung und kleinsten Kummer und Gefühlen entsteht. Und wenn man nicht verlernt hat zu Fühlen, braucht man eigentlich nichts weiter als sich selbst und seine Freunde. Deshalb ist eine Krise auch nicht sonderlich schlimm für einen Künstler, sondern es geht back to the roots.

 

FB: Sind Künstler heute nicht total konforme Trendtrottel, die den Großsammlern gefallsüchtig in den Ärmel kriechen?

 

MS: Ich finde das sehr notwendig, dass es eine Vielzahl von privaten Sammlern gibt, da sie einfach lockerer und dynamischer agieren als die Museen, welche lieber große Shows mit Michael Jackson oder Eminem machen wollen. Ich bin ja selber Großsammler. Ich habe über 500 Hörspielkassetten und ich kann das vollkommen nachvollziehen, was für eine Faszination das ist, persönlich auszuwählen was für seine Sammlung wertvoll ist.

Hingegen wird in den Museen jede Dekade ein neuer Sheriff eingestellt und dieser muss erst mal 1000 olle Bilder, die im Keller rumgammeln, vom alten Sheriff, verwalten - das nennt man Kulturgut. Das begräbt jegliche Visionen. Gebt die Bilder lieber den Studenten und macht mit den übermalten Bildern eine Ausstellung, oder eben neuen Stoff für des Großsammlers Herz, before the Bankencrash!

 

FB: In Ihren Bildern geht es neuerdings um die Strasse, die raue Umwelt des alltäglichen Absurdistan wird gezeigt. Ist die Strasse, also Street Art (Graffitti) die authentischste Art Kunst zu machen oder persiflieren Sie diesen Aspekt nur?

 

MS: Die Street Art ist so unbekümmert wie es die Kunst gerne sein würde, aber selten noch ist. Einer fängt an, etwas an die Wand zu kleben, der andere macht weiter oder zerstört es, es gibt kein Ende, das ist toll ... und jeder No Name kann mitmachen, obwohl jeder einzelne auch schon seine Marke versucht durchzusetzen. Eine Streetart-Wall ist eine unhierarchische Form des Kunstmarktes.

 

FB: Sie nennen Ihre Bilder Dirrty Nucki, oder Yuppi Du, das klingt sehr nach verspielter Sozialkritik, aber wen oder was kritisieren Sie? Etwa die anderen Künstler?

 

MS: Nö. Manche Werkphasen stehen in einem ständigen Dialog mit lebenden oder toten Künstlern, denn nur sein Ding durchbringen zu wollen finde ich doch sehr fad. Obwohl ich diese Künstler sehr liebe, die vollkommen zwanglos, in sich gekehrt ihre eigene Welt erschaffen, und einen ungemeinen Tiefenblick in ihr Seelenleben geben. Momentan habe ich aber diese Phase, um mich ein wenig aufzulockern und da erfrischt der Einfluss der Straße doch sehr. Sicher sind es die Aufgaben der Kunst zu kritisieren, zu unterhalten, sich weiter zu entwickeln. Genau so sollte sie sich auch verhalten. Aber die Kunst muss sich auch selber kritisieren können und darf vor allem nicht zu sehr verkrampfen, dass ist ein Wechselspiel.
Und wo sie mich nach meinem Bildinhalt fragen; ich fand es immer schon an der Hochschule grausam, grässlich, ja geradezu abscheulich, einzelne Bilder zu erklären, als wenn die Leute zu doof seien, so was nicht selber lesen zu können - braucht man den für alles heute eine Anleitung???

 

FB: Haben Künstler aus Mangel an Feinden in der Gesellschaft das Feuer untereinander eröffnet?

 

MS: Momentan habe ich einen vollkommen gegensätzlichen Eindruck. Viele sind es mehr als Leid ein Egodasein zu fristen, man greift sich lieber gegenseitig unter die Arme, scheißt auf die Solokarriere und die große Leere die dort herrscht, wenn Erfolg dann durch gemeinsam Erlebnisse oder auf zu den Sternen.

 

FB: Gegen was kann ein Maler in einer so viel gescholtenen und gleichzeitig gelobten neoliberalen Zeit noch anstinken?

 

MS: Die Person des Malers, als Denker, wird in der Öffentlichkeit nicht Ernst genommen. Tutti Frutti ist der Künstler wenn er Event-tauglich ist, und schön grinsen kann, und Popoloch auf macht, da krieg ich so das Kotzen, dass ich am liebsten damit aufhören möchte ... auch dieses Hierarchiegebilde - Staat - Presse - Kultur (Mensch) - wie es vor allem in Deutschland sich durch alle Strukturen zieht, ist sehr zähflüssig. Man kann einfach auf Dauer nicht die ganze Zeit den angesammelten Müll von oben nach unten kippen, sondern das muss auch mal umgedreht geschehen.

 

FB: Ist die figurative Malerei für Sie weiterhin noch zwingend, man verzeichnet einen neuen Trend zum Verschwinden der Figur?

 

MS: Als wenn es nichts Wichtigeres gibt, als andauernd Ansagen zu machen. Wer so den Leuten die Köpfe manipulieren will, ist Moderator einer ganz traurigen Veranstaltung. Für was kämpfen wir denn? Für Freiheit wohl doch, in den Köpfen, gegen ein Stil- und Kunst-Nuttentum ... Da waren wir doch schon mal weiter und diese ganzen Trendhorste sollen sich lieber neue Zähne machen lassen, das ist nämlich bald der allerneueste Trend!

 

FB: Was ist für Sie German Gothic?

 

MS: Ich bin es nicht! Sind sie German Gothic?

Moritz Schleime erwarb sein Diplom in Malerei und Grafik an der Kunsthochschule Berlin - Weissensee und ist Meisterschüler bei Prof. Werner Liebmann und Prof. Hanns Schimansky. (Felix Beck, Tom Felber für creative face Magazin)

 

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WENDT + FRIEDMANN GALERIE in Berlin

Moritz Schleime 'Asso Rock'

moritz schleime asso rock
WENDT + FRIEDMANN GALERIE: Moritz Schleime and his painting 'Empire', 2008 / © 2008 Jens Scheffler, schefflerdesign.com

Tom Felber for creative face Magazine

WENDT + FRIEDMANN GALERIE in Berlin presents the painter Moritz Schleime with his third solo exhibition from April 5 until May 10, 2008. Some of the outstanding works from the show you see in our photo gallery below. Moritz Schleime lives and works in Berlin. He got his diploma of painting and graphik at the School of Art and Design Berlin-Weissensee and his master degree at the master class of Prof. Werner Liebmann and Prof. Hanns Schimansky. The next solo show con be seen in Copenhagen. 

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WENDT + FRIEDMANN GALERIE

The WENDT + FRIEDMANN GALLERY, founded in 2005, offers a platform for contemporary art including different artistic positions ranging from figurative concrete to non-representational, but featuring a particular individual authenticity. The stylistic variety is abstracted in painting, sculpture, drawing, photography and installation.