
Carsten Gliese 'Schachtel', 2005, 124 x 185 cm, C-Print, auf Dibond kaschiert / courtesy Krammig & Pepper Contemporary
Tom Felber für creative face Magazin
Als Fotograf und Bildhauer beschäftigt sich der in Köln lebende Carsten Gliese (geb. 1965) hauptsächlich mit der Innen- und Außenarchitektur, wobei sein Interesse nicht der Darstellung existierender Wirklichkeit gilt. Vielmehr geht es ihm um deren Veränderung durch verschiedene Arten der Transformation, die den Betrachter mit vermeintlichen und echten Täuschungen in der Wahrnehmung konfrontiert.
So zeigen die Fotografien von Carsten Gliese Räume, in denen scheinbar stofflich greifbare Objekte aus Licht abgebildet sind. Dabei bleibt er bei dem klassischen Fotoprozess, der fern jedweder Bildbearbeitung bzw. Manipulation ist. Entscheidend ist hier der Einsatz von Mehrfachbelichtung, die eine körperliche Präsenz des Lichtes in den scharf umrissenen Grenzen suggeriert. Diese fiktiven Lichtobjekte, vom Künstler in die realen Räume gestellt, sind jedoch Fremdkörper und führen deshalb zur Verfremdung der vertrauten Atmosphäre und letztendlich zu einer absoluten Umdeutung des Raums. Carsten Gliese sagt hierzu: „Die Art, wie ich reale Objekte mit Licht bearbeite, ist fast bildhauerisch".
Ähnliche Wirkung erzeugt der Künstler mit seinen kleinen und großen Raumskulpturen bzw. Interventionen. Nach einem strengen Konzept entwirft er eine neue Realität - durch die wirkliche und vorgetäuschte Verwandlung von mehreren „Architekturelementen". Er entfernt, verändert, führt ein, verhüllt. Er interveniert und täuscht vor. Das, was entsteht, sind seine Skizzen einer möglichen Realität, die jedoch nicht von Dauer sein muss, was auch die von ihm verwendeten Materialien (Rigips und Pappe) verdeutlichen. Diese experimentellen Möglichkeitsformen sind zwar nicht real, stehen aber, aufgrund von virtuos eingesetzter Kenntnisse der architektonischen Formensprache, in logischer Verbindung mit der Realität, die sie subversiv verwandeln.
Krammig & Pepper Contemporary wurde im Frühjahr 2006 gegründet. Angesiedelt im Zentrum Berlins, präsentiert die Galerie auf zwei Stockwerken ein internationales Programm zeitgenössischer Kunst. Neben künstlerischen Positionen aus Berlin und anderen Städten Deutschlands - Nicholas Bodde, Carsten Gliese, Peter Freitag, Stephanie Jünemann, Christina Kubisch, Brigitte Maria Mayer, Wolfgang Petrick, Benjamin Rubloff, Brian Reffin Smith, Iva Vacheva und Mara Wagenführ - vertritt die Galerie Ampelio Zappalorto aus Italien, Arthur Tress aus den USA, Steve Johnson aus Großbritannien und Pieter Slagboom aus den Niederlanden. Einzelausstellungen der Galeriekünstler werden ergänzt durch Themenpräsentationen, zu denen auch Gastkünstler eingeladen werden. Ein weiterer Programmpunkt der Galerie ist die regelmäßige Kooperation mit Gastkuratoren, wie in 2007 mit dem Kunstsammler Ivo Wessel. Wichtig für Krammig & Pepper Contemporary ist die Unabhängigkeit von Trends und kurzlebigen Moden. Ob die Fotografien von Arthur Tress, die Klang- und Lichtinstallationen von Christina Kubisch oder die Bilder von Wolfgang Petrick, die Künstler der Galerie schaffen unverwechselbare Werke von hoher Qualität und bleibender Bedeutung.






